Johannes Pistorius Niddanus d. Ä.

Dr. Johannes Pistorius Niddanus d.Ä., 1504-1583

Johannes Pistorius Niddanus d. Ä. (1504-1583)
Medaille von Friedrich Hagenauer aus dem Jahre 1543

Avers: IOAN.(nes) PISTORIUS NIDDAN.(us) MINISTER EVANGELII D.(omini) N.(ostri) I.(esu) C.(hristi) AET.(ate) XXXIX ANN.(orum)
Iohannes Pistorius Niddanus, Diener des Evangeliums unseres Herrn Jesu Christi im Alter von 39 Jahren

Revers: COR CO(n)TRITV(m) E(t) HUMILIATUM DEVS NO(n) DESPICIES. M.DS.XLIII.
Ein zerknirschtes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen. 1543 (Psalm 51, Vers 19)



 Stammbaum von J. Pistorius d.Ä.

Stammbaum von Johannes Pistorius Niddanus d.Ä., 1504-1583 (Quelle: Nidda - Die Geschichte einer Stadt und ihres Umlandes, Nidda 2003)

Dr. Johannes Pistorius Niddanus d.Ä., *1504

Ausführliche Quellen zum Geburtsjahr von Johannes Pistorius Niddanus d. Ä.

Pistorius, Johannes Niddanus d.Ä., hessischer Reformator, Superintendent von Nidda, * im Januar 1504 in Nidda. + 25.1.1583 Nidda. dessen Vater: Johann Becker (1476-1520), Bürgermeister in Nidda; verheiratet mit Margaretha (1.2.1516-24.5.1560) Tochter des Konrad Schreiber aus Nidda; 5 Söhne, 3 Töchter u.a. Johannes Pistorius Niddanus d. J.(1546-1608)

Nidda mit Johanniterturm

Die Wetteraustadt Nidda (Merian, Topographia 1646)

Nach Besuch der Lateinschule studierte P., Bürgermeistersohn aus einer alten Niddaer Familie, in Mainz (vermutl.) u. promovierte zum Dr. theol. Bereits als Kaplan der Niddaer Johanniter-Kommende war P. engagierter Mitarbeiter und Förderer der Reformation. Wie bei Melanchthon, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, ließ die Verwurzelung im Humanismus keinen fundamentalistisch genährten religiösen Eifer zu. Tiefe Frömmigkeit u. Toleranz, z.B. gegenüber Juden, zeichneten ihn aus.
P. war bei der Abfassung der CA im Frühjahr 1530 beteiligt: „...ward dies Bekanntnus...in 17 Artikel verfaßt, danach wurd sie Philippo u. seinen Adjunkten, darunter auch Brentius, Schnepfius, Pistorius und anderen unter die Hand getan, sie in ein Form und Bekanntnus zu bringen.“(G. Nigrinus). P. besaß seit Augsburg ein lateinisches und deutsches Belegexemplar der heute verschollenen Ur-CA von 1530.

Wirkungsraum des Superintendenten J. Pistorius Niddanus d.Ä. von 1541-1580

Die Diözese Alsfeld z.Z. von Johannes Pistorius Niddanus d.Ä.

Nach d. Bigamieaffäre Philipps von Hessen wurde P. 1541(bis1580) Superintendent der Diözese Alsfeld. Als Vertreter der protestantischen Seite nahm er mit Melanchthon und Bucer an den Religionsgesprächen in Worms und Regensburg (1540/41 u. 1546) teil.

Zum zweiten mal nach 1541 zwei Niddaer auf einem entscheidenden Religionsgespräch: Johannes Pistorius und Antonius Pelargus

Teilnehmer am Religionsgespräch von 1546;
aus J.Sleidanus: de statu religionis et rei publicae, Straßburg 1555

Bei der Pestepidemie in Nidda von 1555, in der er alle Kinder bis auf Johannes d.J. verlor, blieb P. als helfender Pfarrer in Nidda. Ein tragisches Unglück nahm ihm 1560 seine Ehefrau.

Briefunterschrift von 1548

Nach dem Wormser Religionsgespräch (1557) belastete P. der zunehmende Richtungsstreit zwischen Orthodoxie und Philippisten. P. wurde als Kryptocalvinist verdächtigt, weil er u.a. die Konkordienformel ablehnte.
Als Zeitzeuge der Reformationszeit, der Luther(+1546) und Melanchthon(+1560) um Jahrzehnte überlebte, verfaßte er bis 1580 eine Reformationsgeschichte. Das Manuskript und

 Superlibris: I(oannes) P(Pistorius) N(iddanus) 1562

Dieses prachtvoll gebundene Mathematikbuch (Euklid) stand von 1562-1583
im Niddaer Pfarrhaus. Die Superlibris-Initialen nennen den Besitzer.
Es wurde 1992 in Straßburg wiederaufgefunden.

die wertvolle Bibliothek mit der Ur-CA erbte sein Sohn, zu dem P. zeitlebens ein herzliches Verhältnis hatte.

Werke:

 Schrift von Michael Eychler, 1578

Buchtitel mit Vorrede von Johannes Pistorius d. Ä., 1578

Vorrede in: M. Eychler, Christlicher...Bericht, wie Pfarrherren in dieser pestilentzischen Zeit und auch sonsten, die armen krancken Leut ohne Gefahr alle besuchen und trösten können..., 1578, HAB Wolfenbüttel: A2r-B3v 8°


Segensgruß von Johannes Pistorius d. Ä. B3 verso

Schluss der Vorrede von "Joannes Pistorius der Elter" vom 22. November 1577


Ausführliche Quelle zum Geburtsjahr von Johannes Pistorius d. Ä.

Aus einem 20-seitigen Trostgedicht von Georg Nigrinus an den jugendlichen Johannes Pistorius Niddanus d. J. aus dem Jahr 1564, nachdem dieser 1555 fünf Geschwister bei einer Pestepidemie und 1560 durch einen Ünglücksfall seine Mutter verloren hatte. Danach lebten nur noch von der ehemals zehnköpfigen Familie Vater und Sohn Johannes Pistorius.


Dr. Johannes Pistorius Niddanus d.Ä., 1504-1583

        „Aber damit du dich einmal sicherer erinnern kannst,
        merke wohl, welche Jahreszahlen ich aufzählen werde.
        Dein Vater erblickte gerade in dem Jahr gesund das Licht der Welt
        Als der trutzige Rheinländer die Bayern mit Waffen angriff,
        in welchem Hessen froh über seinen Landgrafen Philipp war,
        der mit Herrschaft die Stämme der Chatten zusammenhält.
        Wenn du zu fünfzehnhundert Jahren vier hinzufügst (1504)
        seit der Geburt des Himmelsfürsten, dann hast Du den Zeitpunkt“

        Faksimile aus: NIGRINUS, GEORG; LOTICHIUS, GVILIELMIUS;
        VIETOR, IUSTUS; HELBACHIUS, VENDELINUS:
        Elegiae aliquot de morte liberorum et venerandi viri &
       Theologi clariss. D. Johannis Pistorij urbis et comitatus
        Niddani Pastoris et Superintendentis, Frankfurt 1564, S. 9

Dr. Johannes Pistorius Niddanus d.Ä., 1504-1583

diess. Quelle, S. 27: "Im Jahre 1504, im bayrischen Krieg, in dem auch der edle Landgraf von Hessen, Philipp, geboren wurde, kam Johannes Pistorius auf die Welt." S. 27

Literatur (Auswahl): Hans-Jürgen Günther, Die Reformation und ihre Kinder dargestellt an: Vater und Sohn Johannes Pistorius Niddanus. Eine Doppel-Biographie, Nidda 1994, 74-238 (hier sind sämtliche Werke sowie die Sekundärliteratur aufgeführt);
ders., J. P. Niddanus d. Ä.: Artikel in "Neue Deutsche Biographie" (NDB), Bd. 21 (2001) 486
ders., J. Pistorius Niddanus, Vater und Sohn - Zwei Niddaer Persönlichkeiten im Jahrhundert von Reformation und katholischer Reform: Artikel in "NIDDA - Die Geschichte einer Stadt und ihres Umlandes" (2003) 123-134

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Dr. Johannes Pistorius Niddanus d.J. 1546-1608
Zu Johannes Pistorius Niddanus d.J.,
Humanist, Arzt, Historiker, Politiker u. kath. Theologe,
* 14.2.1546 Nidda (daher: Niddanus), + 19.6.1608 Freiburg (Breisgau).

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Hans-Jürgen Günther